Ich sitze am Schreibtisch und arbeite wieder zu Afghanistan. Das Land lässt mich nicht los, die Menschen und ihre Geschichten sind mir präsent und begleiten mich durch meinen Alltag in Deutschland.

Die Zeit des zweiten Einsatzes ist verstrichen. Aus Sicherheitsgründen kann das Projekt nicht fortgeführt werden, die GIZ entwickelt zur  Zeit „alternative Szenarien“. Wie die aussehen werden, weiß ich nicht. Vermutlich weiß das zu diesem Zeitpunkt niemand.

Ich weiß nur, dass dieses ferne Land mir nah gekommen ist. Und ich weiß, dass ich Menschen hier vom Leben dort erzählen will und muss. Es wird keine einfachen Lösungen geben für Afghanistan. Wir können nur versuchen zu verstehen. Anzunehmen, was ist. Zuhören den Geschichten und Erzählungen der Menschen, die mittlerweile zu uns gekommen sind. Zuhören aber auch den Menschen, die noch in Afghanistan leben und dort eine Zukunft aufbauen wollen.

Ihre Antworten werden anders aussehen als die, die westliche Politiker sich vorstellen. Wir – als Europäer, als Deutsche – werden unsere Rollen in der Zusammenarbeit mit Afghanistan neu überdenken und definieren müssen. Damit meine ich nicht nur unsere Regierung. Ich meine jede und jeden einzelnen von uns. Ich meine unsere Alltage und unsere Alltäglichkeiten. Keine großen Projekte, sondern kleine, unscheinbare Dinge in der Begegnung mit Menschen und in unserem Denken.

Afghanistan und seine Menschen stehen sicherlich stellvertretend auch für andere Länder dieser Welt – ihre Geschichten aber sind für mich nun nah und unmittelbar.

Diese Geschichten will ich erzählen. Ich werde sie erzählen.